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Der eigenen Wahrnehmung trauen

Vom Thema zur Geschichte: Wie man auf sich selber hört
09 Okt 2015
11:00 - 12:50
Grüner Saal

Der eigenen Wahrnehmung trauen

Ein zähes Gefühl: Sie schreiben einen Text, eine Reportage oder ein Porträt, aber am Ende steht da nicht das, was Sie sagen wollten. Der Text hat sich irgendwie selbst geschrieben – zusammengesetzt aus Konventionen, Stilelementen, die Sie vom Kollegen XY geborgt haben, vermeintlichen Erwartungen der Redaktion und einem Schuss Verunsicherung. Zuhause erzählen Sie über die Geschichte jedenfalls etwas ganz anderes als das, was Sie Ihren Lesern erzählen.

Über diese Problem will Heike Faller, Reporterin beim ZEIT Magazin, in diesem Workshop reden. Es ist übrigens kein Luxusproblem, denn wenn für Texte heute noch gut bezahlt wird, dann deshalb, weil der Text besonders ist – und nicht so klingt als habe jemand eine Überdosis Erwin Koch bekommen (um einen ihrer Lieblingsreporter zu nennen, der besonders häufig kopiert wird).

Eine kleine Übung vorab, an der Sie teilnehmen können (und sollten), aber nicht müssen: Nehmen Sie einen Text oder eine Textpassage, die besonders weit von Ihrem eigentlichen Empfinden entfernt war. Schreiben Sie eine – echte – E-Mail an einen Freund oder eine Freundin, wo Sie in einem oder mehreren Absätzen von genau dieser Recherche berichtet („gestern war ich übrigens…“). Schicken Sie Heike Faller beide Passagen bis zum 22. September (An: Vorname.Nachname@zeit.de). Im Seminar werden wir beide Texte vergleichen und über die Unterschiede reden – und darüber, warum die eigene, private Wahrnehmung fast immer interessanter und amüsanter ist als alles Konventionelle.