Post von Reporter-Kollege Christof Moser:

Soeben bin ich von einer journalistischen Reise ins sagenumwobene Silicon Valley zurückgekehrt. Was von der US-Westküste auf uns zukommt – niemand hat dies meiner Meinung nach im deutschen Sprachraum bisher besser aufgearbeitet als das ZDF mit dem Dokumentarfilm «Schöne neue Welt – wie das Silicon Valley unser Denken verändert». Schon einige Wochen alt, aber sehr sehenswert und auf Youtube verfügbar. Ein Gespräch mit ZDF-Reporter Claus Kleber über seine Valley-Reportage ist hier zu finden.

Als ich in den USA unterwegs war, ist Europa fern gewesen – und doch sehr präsent. Wann immer ich US-Nachrichtensender eingeschaltet habe, um den nationalen Parteikongress der Demokraten zu verfolgen, wurden die Live-Übertragungen mit Breaking News aus Europa unterbrochen: Anschläge, Amokläufe, Tod und Verderben – leicht konnte man den Eindruck erhalten, der europäische Kontinent versinke im Chaos. Wie real die islamistische Gefahr ist, vor allem in Frankreich, zeigt diese herausragende Recherche der New York Times über das Daesh-Netzwerk in Europa. Als kleiner Vorgeschmack ein Auszug aus dem Text: «They told me that there aren’t many people in Germany who are willing to do the job,» Mr. Sarfo said soon after his arrest last year, according to the transcript of his interrogation by German officials, which runs more than 500 pages. “They said they had some in the beginning. But one after another, you could say, they chickened out, because they got scared — cold feet. Same in England.» By contrast, the group had more than enough volunteers for France. «My friend asked them about France,» Mr. Sarfo said. «And they started laughing. But really serious laughing, with tears in their eyes. They said, ‹Don’t worry about France.› ‘Mafi mushkilah› — in Arabic, it means ‹no problem.›» Zum ganzen Text gehts hier. Und wie die Autorin des Textes, Rukmini Callimachi, arbeitet - speziell ihre Recherchen über Social-Media - hat dieser Wired-Artikel gut aufgearbeitet.

Extremismus der ganz anderen Art – und eben doch nur die Kehrseite der gleichen Medaille – kommt von US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump und seinen Anhängern. Auch hier was zum Anschauen: Die New York Times begleitet Trump seit Anbeginn seiner Kandidatur und hat diese Woche einen Videoclip publiziert, der in erschreckender Weise aufzeigt, wie unglaublich rassistisch ein Teil seiner Anhängerschaft tickt.

Als jemand, der wiederholt in der Türkei auf Reportage war, um dem Nährboden der Gezi-Proteste nachzuspüren (was zum Beispiel in diesem Text mündete), war ich ganz persönlich betroffen vom Militärputsch und den nachfolgenden und anhaltenden sogenannten "Säuberungen" in der Türkei. Viele meiner Freundinnen und Freunde dort leben derzeit in grosser Angst – nicht weil sie am Pusch beteiligt waren oder Gülen-Anhänger sind, sondern weil sie immer wieder auf offener Strasse für ihre Lebensweise angegriffen werden. Wie berechtigt ihre Angst ist, zeigt das Interview mit dem renommierten Ökonomen und Türkei-Kenner Dani Rodrik in "Die Welt". Im schlimmsten Fall versinke die Türkei in einem Bürgerkrieg, sagt er – und schliesst sogar ein "zweites Afghanistan" nicht aus. Trotz allen berechtigten Vorbehalten gegen den autokratischen Präsidenten Erdogan ist die Medienberichterstattung im deutschsprachigen Raum über die Türkei oft sehr einseitig. Die Lage in der Türkei ist kompliziert. Deshalb mochte ich das Gespräch mit Rodrik sehr gern – er differenziert.