Von Paula Scheidt, Reporterin bei «Das Magazin»

Gerade bin ich zurück auf Bali, wo ich schon im Frühling war, um über das Leben von Digitalen Nomaden zu schreiben. Es tut gut, den Horizont zu öffnen und die Welt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Asien ist voller Geschichten – hier ein paar Lesetipps. 

Auf Bali sprechen die meisten Menschen indonesisch. Zum Glück haben australische Journalisten neun Kurzgeschichten von jungen Indonesierinnen und Indonesiern ins Englische übersetzt. Besonders empfehle ich die Geschichte La Runduma der Autorin Wa Ode Wulan Ratna über eine junge Frau, die ein traditionelles Ritual über sich ergehen lassen muss, weil ihre Jungfräulichkeit angezweifelt wird. Ebenso gern gelesen habe ich Mothers’s Heaven. Der Text handelt von einem Jungen, der sich Sorgen macht, die Seele seiner Mutter könnte es nicht ins nächste Leben schaffen.

Barack Obama lebte als Kind vier Jahre in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. In keinem Land der Welt leben mehr Muslime. Und sie sehen einen Freund im scheidenden US-Präsidenten. Wer verstehen möchte warum, muss diese Rede lesen, die Barack Obama 2010 an der Universität von Jakarta, hielt. Seine Besonnenheit und Empathie werden uns fehlen.

Auf Bali habe ich Mariya Karimjee kennengelernt, eine faszinierende, 28-jährige Journalistin aus Pakistan. Sie hat einen Essay geschrieben, der intimer nicht sein könnte. „Damage“. Mariya erzählt die unglaubliche Geschichte ihrer eigenen Genitalverstümmelung und sucht hartnäckig und klug nach einer Antwort auf die Frage: Wer trägt die Schuld und wie werde ich trotzdem glücklich? Wer Mariyas mutige Geschichte lieber hören möchte, findet sie hier als Podcast.

Seit Mai regiert Präsident Rodrigo Duterte die Philippinen – mehr als 3000 Menschen wurden seither von Todesschwadronen ermordet. Der New Yorker zeichnet das Porträt eines Politikers ohne Skrupel.

Traurige Berühmtheit erlangte Bali 2004, als Terroristen ein Blutbad auf der Ferieninsel anrichteten. 202 Menschen starben bei Explosionen in einem Nachtclub. Das australische Rugbyteams Coogee Dolphins verlor die Hälfte seiner Spieler. Wie die andere Hälfte danach weitermachte, erzählt Michael Paterniti in GQ.

Zum Schluss etwas Erfreuliches: Frauen in der Politik haben es nicht leicht. Die Inderin Smriti Irani hat es trotzdem geschafft. Die 38jährige wurde vom Soap-Star zur Ministerin. Die indische Zeitschrift „The Caravan“ widmet ihr die aktuelle Titelgeschichte.

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Carolin Emcke spricht klug und scharfsinnig über den Hass der Anderen. Ein Jahr Bataclan-Anschläge – eine Rekonstruktion. Die Fratze zweier Fake-News-Autoren. David Hesse über die neue, rechte Härte. Die Gangs von El Salvador morden wieder. Dave Eggers reist durch ein Post-Election-Amerika. Fürchtet euch vor den Autokraten, schreibt Kai Strittmatter. Über die Hass-Ratte in uns. Plus: Die nominierten Texte beim Reporterpreis geben eine gute Übersicht über die besten Reportagen des letzten Jahres. Ganz vorne mit dabei: diese haarsträubende Rekonstruktion eines europäischen Massenmords.