Von Christof Moser, Reporter bei «Schweiz am Sonntag» / Project R

21 Millionen Einwohner, Wolkenkratzer soweit das Auge reicht: São Paulo ist eine atemberaubende Megacity, und eine Gefahr lauert dort wie an vielen Orten: Als privilegierter europäischer Besucher landet man in einer schönen Scheinwelt, die jede Sicht auf die Realität zu verstellen droht. Frisch zurück von drei Arbeitswochen in Brasilien hier einige Lesetipps aus einem Land, das nicht zur Ruhe kommt.

Nach der fragwürdigen Absetzung von Präsidentin Dilma Rouseff geht der Putsch weiter - und richtet sich gegen die Armen, wie Menschenrechtsanwältin Mariana Prandini Assis in einem aktuellen Beitrag für den Guardian schreibt: «President Michel Temer is aiming to enshrine 20 years of austerity in the constitution. It amounts to a coup against the poor – and against democracy itself.»

Dass Brasilien in diesen Wochen in nie dagewesener Härte umgepflügt wird, bestätigen auch unabhängige Stimmen: «Brazil is poised to implement the most socially regressive austerity package in the world, a senior United Nations official has warned.»

Um die Hintergründe des aktuellen Geschehens zu verstehen, muss man sich nochmals kurz die Hintergründe der Rousseff-Absetzung in Erinnerung rufen: «Impeachment of Brazil’s President Rousseff hands power to corrupt, unelected right wing.»

Kaum jemand, der gegen die Politik des neuen Präsidenten auf die Strasse geht, kommt unbeschadet wieder nach Hause - die Polizeikräfte gehen in aller Härte gegen Demonstranten vor, wie New York Times-Korrespondentin Vanessa Barbara berichtet: «In São Paulo alone, policemen have blinded four people at protests in the past few years. The most recent was Deborah Fabri, a 19-year-old student who was hit in the eye with shrapnel from a stun grenade during a protest in August against Michel Temer, the interim president.»

Eine der vielleicht besten Geschichten, die in jüngster Zeit über Brasilien publiziert wurden, stammt von Reporterforum-Kollege Florian Leu, der zusammen mit Carlos Hanimann (WoZ) im Frühling 2014 ein ganzes NZZ Folio über das grösste Wohnhaus Südamerikas vollgeschrieben hat (die Geschichte ist hinter der Paywall, lohnt sich aber zu kaufen.

Lena Niethammers Freund Dose und diese «gottverdammte Einsamkeit». Eine interaktive Reise nach Palmyra, dem Reich Assads. Ein tolles Porträt über eine tolle Frau, die nur eines will: eine zweite Erde entdecken. Unfassbar, wer sich alles Schreckschusspistolen gegen Migranten kauft. Die letzte Diplomatin. Düstere Bilder aus den Philippinen, bizarr schön in Szene gesetzt: «Sie schlachten uns ab wie TiereHolstein steigt aus. Ein Plädoyer für den schönsten Job der Welt.