Der Fall Rainer Höss – über Nähe und Distanz bei Porträts und Reportagen

Panel am Reporter-Forum 2021 | Uhrzeit: 14:15 - 15:30 | Raum: Blauer Saal

Rainer Höss ist der Enkel des Kommandanten des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Jahrelang tritt er als Mahner vor Rechtsextremismus und Nationalsozialismus öffentlich auf. Im Dezember 2019 reist Sacha Batthyany mit ihm nach Auschwitz und schreibt für die «NZZ am Sonntag» eine grosse Reportage über den Nazi-Enkel. Zwar ist sie nicht unkritisch, doch reiht auch sie sich ein in den Kanon Dutzender erschienener Artikel, in denen Bewunderung für Höß und seine Biografie dominiert.

Im April 2021 räumt Stefan Willeke in der «ZEIT» auf mit Höss’ Legenden. In einem umfangreichen Dossier mit dem Titel «Der Märchen-Enkel» zeichnet er das Bild eines Hochstaplers, der wahre und erfundene Geschichten rund um seinen Grossvater und seine Familie zu einem wilden Cocktail mischt, der ihm persönliche und gesellschaftliche Bedeutung verleiht – und ein hohes Einkommen garantiert.

Batthyany zeigt sich daraufhin selbstkritisch: «Ich bot Rainer Höss eine Bühne für seine Erzählung», schreibt er in einem weiteren Artikel. «Ich liess mich von seiner Geschichte blenden, eine Todsünde in meinem Metier.»

Ausgehend vom «Fall Rainer Höss» sprechen wir mit Stefan Willeke und Sacha Batthyany über Nähe und Distanz zwischen Journalist:innen und Protagonist:innen, aber auch über Factchecking bei Reportagen und Porträts sowie über die Problematik, wenn es bei einem Beitrag nur (respektive primär) den Protagonisten mit seiner eigenen Erzählung gibt.

Willeke

Stefan Willeke (1964) begann 1996 als Redakteur der Wochenzeitung «Die Zeit». Von Anfang an gehörte er dem Ressort «Dossier» an, das er von 2009 bis 2012 auch leitete. Nach eineinhalb Jahren im Gesellschaftsressort des «Spiegel» wechselte der promovierte Wirtschaftshistoriker im April 2014 als Chefreporter zurück zur «Zeit», zu deren Chefredaktion er seit Februar 2017 gehört. Willeke wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis (2003) und dem Henri-Nannen-Preis (2005, 2006 und 2012).

SachaBatthyany

Sacha Batthyany (1973) war Redaktor der «NZZ» und beim «Magazin», bevor er 2015 als USA-Korrespondent des «Tages-Anzeigers» und der «Süddeutschen Zeitung» nach Washington zog. Anfang 2018 kehrte er nach Zürich zurück und wechselte zum «Hintergrund»-Ressort der «NZZ am Sonntag», zudem unterrichtet er kreatives Schreiben an der Journalistenschule maz. Sein 2016 erschienenes Buch «Und was hat das mit mir zu tun?» über ein im Zweiten Weltkrieg verübtes Massaker, an dem seine Grosstante beteiligt war, wurde für den Schweizer Buchpreis nominiert.

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